TRAILER

Gelbe Briefe

Drama, Deutschland/Frankreich/Türkei 2026, 128 min

Derya (Özgü Namal) ist Schauspielerin, Aziz (Tansu Biçer) Dozent und Autor, beide angesehene Theaterleute in Ankara und Eltern einer 13-jährigen Tochter (Leyla Smyrna Cabas). Nach ihrer neuesten Premiere erleben sie die Willkür des Staates, erfahren am eigenen Leib, wie die politische Situation ihr Privatleben beeinflusst und ihre Ehe zunehmend gefährdet. Sie verlieren quasi über Nacht ihre Arbeit, ihre Lebensgrundlage. Wie sie damit umgehen, wie sie zwischen ihren künstlerisch-gesellschaftspolitischen Idealen und den Notwendigkeiten des Lebens abwägen und entscheiden müssen, erweist sich als Herausforderung, der sie sich auf unterschiedliche Weise stellen. In diesem Spannungsfeld nimmt ihre Tochter einen ganz besonderen Platz ein, die als Heranwachsende auf ihren ganz eigenen Zugang zur Welt besteht, sich auf ihre Weise wehrt und das Tun der Eltern mit unbestechlichem Blick begleitet.
Regisseur lker Çatak, seit seinem nicht nur in Deutschland viel beachteten Film »Das Lehrerzimmer« (2023) auch einem internationalen Publikum wohl bekannt und Oscar-nominiert, bedient sich in seinem neuen Film einer besonderen dramaturgischen Setzung, um zu zeigen, dass Formen der Repression fließend sind. Er tauscht im Film die Orte: Aus Ankara wird Berlin und aus Istanbul Hamburg. Gleichwohl drehte er seinen Film auf türkisch. Der Film verweist durch dieses Städtekonzept auf historische Parallelen und zielt gleichzeitig auf die Gegenwart, bekommt eine Universalität, die sich nicht an Regionen festmacht. Überall gibt es Zuströme und Abwanderungen. Die gesellschaftlichen Probleme sind international und was vor ein paar Jahren in der Türkei passierte, kann morgen auch ganz schnell hier stattfinden.
Grit Dora