Nachbeben
Im letzten Frühjahr vermittelte der Schweizer Film »Heldin«, wie sich die Arbeit auf einer Chirurgiestation anfühlt. Die dänische Regisseurin Zinnini Elkington erzählt in ihrem Debütfilm »Nachbeben«, für den sie auch das Drehbuch schrieb, eine ebenso aufrüttelnde Krankenhaus-Geschichte. In ihrem 92-minütigen Spielfilm fängt sie den stressigen Alltag ein, konzentriert sich dabei aber auf einen konkreten Einzelfall. Das Publikum begleitet die Neurologin Alexandra (Özlem Saglanmak), die auf der chronisch unterbesetzten Schlaganfallstation arbeitet. Als der 18-jährige Oliver (Jacob Spang Olsen) eingeliefert wird, stuft Alexandra seine Symptome als unauffällig ein und schickt ihn trotz leiser Zweifel ihrer Kollegin Emilie (Mathilde Arcel) mit dessen Mutter Camilla (Trine Dyrholm) wieder nach Hause. Als er kurze Zeit später zusammenbricht, muss sich Alexandra mit ihrer eigenen Fehleinschätzung und der damit einhergehenden Schuld auseinandersetzen. Der Film beschäftigt sich anhand dieses Falls mit dem „Second-Victim-Syndrom“, das die seelische Last beschreibt, welche das Fachpersonal fühlt, wenn es Fehler macht. Einfühlsam, mit Anspannung und stets einer gewissen Thriller-Atmosphäre fängt die Regisseurin Elkington die Situation ein. Wir erleben die selbstbewusste Alexandra dabei, wie sie an ihre eigenen Grenzen stößt und bekommen so ein Gefühl dafür vermittelt, was es heißt, stets unter Strom und am Rand der Überlastung zu arbeiten. In naturalistischen Bildern und mit einem hervorragenden Cast - allen voran Saglanmak und Dyrholm - umgesetzt, zieht »Nachbeben« das Publikum in seinen Bann und lässt es bis zur letzten Minute nicht mehr los.
Doreen
Buch: Zinnini Elkington
Regie: Zinnini Elkington
Darsteller: Trine Dyrholm, Özlem Saglanmak, Olaf Johannessen, Mathilde Arcel, Iman Meskini
Kamera: Linda Wassberg
Bundesstart: 07.05.2026
Start in Dresden: 07.05.2026
FSK: ab 12 Jahren