30. November 2023

Ich ist ein Anderer

Reisen durch Raum und Zeit – Die MDM fördert Film-, Serien- und Medienprojekte mit Rekordsumme von über 5,5 Millionen Euro
Ich ist ein Anderer
Der Vergabeausschuss der Mitteldeutschen Medienförderung GmbH (MDM) hat in seiner vierten und letzten Sitzung 2023 am 16. November Fördermittel in Höhe von 5.557.190 Euro für insgesamt 44 Projekte vergeben. Erstmals in der Geschichte der MDM werden damit über fünf Millionen Euro in einer einzelnen Förderrunde für die Vorbereitung und Herstellung von Film-, Serien- und Medienprojekten ausgeschüttet.

Produktionsförderung in Höhe von 800.000 Euro erhält die Weimarer ostlicht Filmproduktion für ihr bisher aufwendigstes Spielfilmvorhaben. Das historische Kammerspiel »Ich ist ein Anderer« von Felix Randau (»Der Mann aus dem Eis« mit Jürgen Vogel, Foto) wurde von der MDM bereits in der Projektentwicklung unterstützt. Es spielt im Jahr 1953, als die junge ostdeutsche Journalistin Hedda nach Schweden reist, um Felix Kersten, den persönlichen Masseur Heinrich Himmlers, zu interviewen, der bei der Rettung Tausender KZ-Häftlinge geholfen haben soll. Doch Hedda glaubt Kersten nicht und versucht, ihn der Lüge zu überführen. Noch heute ist nicht klar, wieviel von den Erzählungen von Kersten erfunden war. Zahlreiche Fälschungen wurden bereits 1970 von De Jong und 1978 von Gerald Fleming nachgewiesen.

In »Die Olchis – Dino Alarm!«, der zweiten Verfilmung der Bestseller-Bücher von Erhard Dietl, reisen die Olchis und ihre Freunde mithilfe einer Zeitmaschine zurück in die Vergangenheit, um ein Dino-Baby vor seinen Verfolgern zu retten und zurück zu seinen Eltern zu bringen. Das actionreiche Animations-Abenteuer von Toby Genkel (»Maurice der Kater«) wird von der Hallenser Produktionsfirma DenverMP koproduziert und mit 480.000 Euro in der Produktion gefördert.

Produktionsförderung in Höhe von 400.000 Euro erhält Pallas Film für die Science-Fiction-Produktion »Das Eichhörnchen« des finnischen Drehbuchautors und Regisseurs Markus Lehmusruusu. Im Jahr 2149 ist das Leben in der Stadt vor allem sehr sauber und sehr sicher. Neben den Menschen gibt es kein ursprüngliches Leben mehr – weder Natur noch Tiere existieren. Pasi arbeitet als Designer von synthetischen Tieren in dieser klinischen Stadt und führt ein unaufgeregtes Leben. Alles ändert sich, als ihm eines Tages zufällig das letzte lebende Eichhörnchen der Welt über den Weg läuft und er beschließt, es bei sich aufzunehmen (Pallas Film, 400.000 Euro).

Die Leipziger Regisseurin Susanne Heinrich (»Das melancholische Mädchen«) widmet sich in ihrem zweiten Spielfilm auf filmisch sehr ungewöhnliche Weise und mit feministischem Impetus dem Thema Mutterschaft. Im Musical »Die miserable Mutter« erzählt sie mit viel Humor von der titelgebenden Protagonistin, die mit ihrem unreifen Freund Peter Pan und dem gemeinsamen Nachwuchs zu Hause hockt und sich in ihrer Mutterrolle zunehmend wie im Gefängnis fühlt. Heinrich wird ihren Film mit einem komplett weiblichen Team in Leipzig realisieren (Reynard Films, 400.000 Euro).

300.000 Euro Produktionsförderung erhält die Erfurter CALA Film Central für das Langfilmdebüt »Krux« der Regisseurin Ulrike Tony Vahl, die auch für das Drehbuch verantwortlich zeichnet. Darin erzählt sie die erschütternde, an reale Ereignisse angelehnte Geschichte vom kollektiven Selbstmord in einer vorpommerschen Dorfgemeinschaft kurz vor Einmarsch der Roten Armee am Ende des Zweiten Weltkriegs. In den Hauptrollen werden unter anderem Jella Haase und Matthias Brandt zu sehen sein. Die Projektentwicklung war bereits im Rahmen des Deutsch-Polnischen Filmfonds gefördert worden.

In »Sidi Kaba und das Tor der Wiederkehr« erzählt Regisseur Rony Hotin die Geschichte des kleinen Sidi Kaba. Der Junge lebt friedlich mit seiner Familie in einem Dorf an der westafrikanischen Küste – bis eines Tages sein älterer Bruder Azou von einer Bande Sklavenhändler verschleppt wird. Um ihn zu retten, überquert Sidi mit Hilfe der in Vergessenheit geratenen Göttin Mamy Wata den Atlantischen Ozean und stürzt sich kopfüber in ein atemberaubendes Animationsfilmabenteuer (POM POM Animation, 280.000 Euro).

Eine Produktionsförderung von 250.000 Euro erhalten New Matter Films für das Drama »Patty« von Luise Donschen. Als dessen Titelheldin in den Wirren der Wende nicht nur ihren Job, sondern auch noch ihre Freundin verliert, zieht sie sich in den Wald des Kyffhäusergebirges zurück. 30 Jahre später taucht sie kaum gealtert dort wieder auf.

Mit »Mao – Chinas dunkles Erbe« strebt Regisseur und Drehbuchautor Sergio Basso die erste umfassende historische Serie über den Staatsgründer Chinas, Mao Zedong, an. Anhand von Archivmaterial, Zeitzeugen, Experten und Schauspielern soll seine die Geschichte Maos vom Aufstieg bis zum Tod erzählt werden (LOOKS Film & TV Produktionen, 230.000 Euro).

Basierend auf der gleichnamigen Novelle von Georgi Demidow gibt der renommierte ukrainische Regisseur Sergei Loznitsa in »Zwei Staatsanwälte« einen eindringlichen und schonungslosen Einblick in das Wesen des sowjetischen Terrors in den 1930er Jahren (LOOKS Film & TV Produktionen, 180.000 Euro).

Regisseurin Theresa von Eltz (»4 Könige«) realisiert mit »Bach – Eine Weihnachtsgeschichte« einen weihnachtlichen Familienfilm über den bekannten Komponisten und die Entstehung seines Weihnachtsoratoriums. Die EIKON Gesellschaft für Fernsehen und Film erhält hierfür 150.000 Euro aus der Zusatzförderung Sachsen, die durch Steuermittel auf Grundlage des vom Sächsischen Landtag beschlossenen Haushaltes finanziert wird.

Alissa Jung erzählt in »Paternal Leave« von der Suche eines jungen Mädchens nach ihrem leiblichen Vater. Diese führt sie an die winterliche Küste Norditaliens. (Match Factory, 150.000 Euro)

Im Dokumentarfilm »Play it again, Sam« von Anne-Kathrin Peitz werden die Zuschauenden zu einem Streifzug durch die europäische Musikgeschichte eigeladen. Auf der Suche nach Phänomenen der Repetition wird der Bogen von Händel bis HipHop geschlagen (EuroArts Music International, 140.000 Euro).

Eine Produktionsförderung in Höhe von 120.000 Euro erhalten radpaar films für »Stimme und Seele« von Marc Eberhardt. Der Dokumentarfilm über die emotionalen Herausforderungen bei der Ausbildung ehrenamtlicher Telefonseelsorger*innen in Berlin entsteht im Rahmen des MDM-Pilotprogramms.

Das Dokumentarlangfilmdebüt »DESERTED« von Mario Pfeifer widmet sich dem Westsaharakonflikt, welcher sich 2026 zum 50. Mal jährt. Anhand dreier Protagonisten erzählt er vom ewigen Warten darauf, wieder in die Heimat zurückzukehren zu können (blackboardfilms, 100.000 Euro).

Die Kineo Filmproduktion erhält für »Gepellte Haut« 100.000 Euro Produktionsförderung. Das Sozialdrama entsteht unter der Regie von Leonie Krippendorff (»Kokon«), die ebenfalls das Drehbuch verfasst hat. Vier junge Menschen versuchen in einem Sommer in Portugal jeglicher gesellschaftlicher Norm zu entkommen. Sie entledigen sich ihrer Handys und öffnen ihre Beziehungen. Doch dann bricht ein verheerender Waldbrand um sie herum aus.

In »Queen of the Stone Age« begleitet Regisseur David Bernet die Schweizer Star-Archäologin Bettina Schulz-Paulsson und ihre Familie bei Ausgrabungen in ganz Europa. Das dokumentarische Road-Movie eröffnet ein Spannungsfeld zwischen wissenschaftlicher Akribie und politischem Diskurs, Familien-Wahnsinn und dem Traum, die Geschichte Europas neu erzählen zu können (Ma.ja.de. Filmproduktion,100.000 Euro).

Im Mittelpunkt des Dokumentarfilms »Silent Flood« von Dmytro Sukholytkyy-Sobchuk steht ein Dorf an einer wunderschönen Flussschlucht in der Westukraine. Hier lebt eine strenggläubige, pazifistische Gemeinschaft, deren friedliche Lebensweise nicht zuletzt durch den unerwarteten Krieg beeinträchtigt wird (Elemag Pictures, 95.000 Euro).

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