27. April 2017

Mein wunderbares Lieblingskino 2

KIF – kino in der Fabrik - Viktoria Franke über das Lichtspieltheater ihres Vertrauens
Mein wunderbares Lieblingskino 2

Von meiner Wohnung aus liegt das Kino in der Fabrik am anderen Ende der Stadt. Für jemanden, der möglichst alles per pedes erlaufen will, stellt eine solche Entfernung eine riesige Herausforderung dar. Doch immer und immer wieder schafft es das KIF, dass ich diesen Weg dennoch auf mich nehme. Die Programmauswahl ist vorzüglich und schon einige Male ist es mir passiert, dass wahre Filmschmankerl nur im KIF und nirgendwo anders kamen. Wie habe ich das nur früher ausgehalten, als ich noch in Chemnitz gewohnt habe? Was habe ich bloß alles verpasst! Steht man einmal an den Stufen hinauf in die urigen Hallen des KIF, ist die Vorfreude riesig (ebenso wie die Stufen nach ein paar Wein). Ja, das KIF hat Fabrikcharakter – aber dennoch ist es gemütlich, klein, für eine Frau angenehm warm und vor allem unglaublich herzlich. Leider habe ich es trotz meiner Vorliebe für dieses Kino noch nie zu einer der Sonderveranstaltungen geschafft. Immerhin weiß ich, dass das KIF zum Tanz lädt, zum Konzert, zum Frühstück, zum Tatort. Frühstück im Kino? Das wäre doch nun wirklich meins! Aber meist verschlafe ich und dafür ist der Sonntag schließlich da. Der Tatort wiederum interessiert mich schon im TV nicht, auf Großbildleinwand wäre das Ganze für mich also sicher noch frustrierender. Und die ganzen Nachtveranstaltungen? Sagen wir es mal so: Da schlafe ich schon wieder! Aber ob ich Schlafmütze die Angebote nutze, ist eigentlich wurscht. Denn das Tolle daran: Sie existieren! Das Kino in der Fabrik beweist, dass man ein Kino durchaus beleben kann. Was Großkonzerne nicht schaffen, schafft man anscheinend, wenn man mit viel Liebe zum Film und zum Detail herangeht. Und immerhin eins schaffen die Betreiber dadurch – im Gegensatz zu den Kettenkinos mit überzogenem Nacho-Dip-Popcorn-Geruch bleibe ich im KIF jedes Mal an der Bar stehen. Angesichts der Preise und der netten Bedienung holt man sich hier gern noch ein Weinchen und etwas zum Knabbern, bevor man endlich andächtig unter dem großen Projektor hindurch und zu den Plätzen schreitet. Es knarzt, wann immer wer sich bewegt, und irgendwann werde ich wohl mein Glas angesichts mangelnder Halterung noch durch die Gegend kicken. KIF pur! Bisher jedoch ging alles gut und dem uneingeschränkten Filmgenuss stand noch nie was im Wege. Außer vielleicht, dass ich zu vergesslich bin, um mir eins zu merken: Bargeld only! Zum Glück ist die nächste Bank nicht weit. Viktoria Franke

http://www.kif-dresden.de