23. August 2011

Pro und Contra »Ohne Limit«

Gehört »Ohne Limit« direkt in den Filmolymp oder doch eher
Pro und Contra »Ohne Limit«

in die Untiefen der Massenware? Zwei Redakteure des Kinokalender Dresden sind sich da uneins.

Pro:
»Ohne Limit« wird als Produkt dem strapazierten Begriff von Traumfabrik absolut gerecht. Solche Filme brauchen wir, wollen wir. Wir wollen spannende, absurde und ersponnene Geschichten, die uns in eine unreale Welt mitnehmen. Realismus haben wir tagtäglich und genug vor Augen.
Es ist aber auch kein Film für die breite Masse, er ist rasant, ein wenig intellektuell, man muss mitdenken und der Film hat Tempo. Man wird nicht berieselt, es gibt nur wenig Romantik, dafür messerscharfe Dialoge, einen außerordentlich smarten Bradley Cooper (»Hangover«) in der Hauptrolle, einen hervorragenden Robert de Niro, eine schöne Frau, aber auch ein paar schockierende Bilder, dafür eine angesagte City und eine abgefahrene Geschichte. Die Melange ist perfekt.

Worum geht’s: Eddie meint Autor zu sein, bekommt aber die Geschichte, die er schreiben will, einfach nicht hin, statt dessen hockt er in seiner piefigen Bude, läuft von links nach rechts oder hält schlaue Reden in Cafés. Er muss sich auch nicht wundern, dass ihn seine Freundin verlässt. Da trifft er unerwartet seinen Exschwager, der in der Pharmabranche arbeitet und ihm eine Pille überreicht, die Droge NZT, die verspricht, die Gehirnleistung, die normalerweise nur zu einem geringen Bruchteil genutzt wird, um ein Vielfaches auszuschöpfen. Die Pille funktioniert. Eddi wird vom Loser zum Losleger, alles verändert sich. Aber die Pillen sind begrenzt, haben erschreckende Nebenwirkungen und die Zeit läuft.

Was man eher seltener mal zu sehen bekommt, ist ein Robert de Niro, der zunächst erst den Boss, den Cleveren und Souveränen mit dicker Lippe gibt, am Ende des Filmes jedoch ein gebrochener Mann ist, überholt und ausgebremst, der nicht mehr gebraucht wird, der bettelt, dass er noch mitspielen darf und vom Protagonisten regelrecht „abgewaschen“ und stehen gelassen wird, dass man ihn am liebsten in den Arm nehmen will. Robert de Niro spielt, nun ja, wie man es von ihm erwartet, grandios. Schon allein dafür wäre »Ohne Limit« sehenswert. Auch seine Dialoge mit Eddie haben eine derartige Schlagkraft, witzig und rasant, dass man immer mal wieder zurückspulen möchte.

Was neben der Story an sich auch sehr bemerkenswert erscheint, ist die spektakuläre, nicht enden wollende Kamerafahrt gleich zu Beginn des Films. Durch Autos hindurch, quer durch New York, dass einem schwindelig wird. Man stelle sich die Subjektive von Supermann vor, nur dreimal schneller.

Auch wunderbar passend dazu der Soundtrack, einfach traumhaft, der einen kaum still sitzen lässt mit fantastischen, treibenden Beats.

Für Liebhaber der Stadt New York, wie mir, gibt’s fast nebenbei auch noch sehr schöne Bilder von der City, allerdings allein dafür kann man sich auch »Der Teufel trägt Prada« ansehen. BSC


Contra:
Richtig böse sein kann man Regisseur Neil Burger für seinen Thriller nicht. Hauptdarsteller Bradley Cooper schon gar nicht, erlebt er doch passender weise im »Hangover 2«-Trailer vor Filmbeginn genau das, was sein Alter Ego Eddie Morra im anschließenden »Ohne Limit« ebenso ertragen muss: ein Delirium. Denn das kann der schöne Cooper wahrlich gut spielen(?) und trägt mit seinem charmanten, wenn auch egoistischen Auftreten den gesamten Film.

Leider gibt es über diese kantenlose Hauptfigur nicht mehr zu sagen. Das ist insofern ärgerlich, da somit der Blick frei wird für einen anderen, völlig verschenkten Charakter: Abbie Cornish gibt Eddies Freundin Lindy, die als intelligente, selbstständige Frau eingeführt wird, Eddies neu gewonnener Intelligenz erliegt, aufgrund dessen beinahe ihr Leben verliert und in einer Schlüsselszene erkennt: „Das bist nicht du, Eddie!“ Warum sie trotzdem nicht von seiner Seite weicht, bleibt im Verborgenen. Fast scheint es, als sei auch Autorin Leslie Dixon der Designerdroge NZT und deren Nebenwirkungen – mehrminütige Black-outs – erlegen, vergisst sie es doch ebenso, den (überflüssigen) Nebenplot um das tote Mädchen in Eddies Bett sinnvoll einem Ende zuzuführen.

Apropos Ende: Es ist schon ein wenig feige von Regisseur Burger, seinen Film derart öde abzuschließen. Nachdem er sich sowohl an den positiven (Karriere, Traumfrau, Ruhm), als auch negativen Folgen (Entzugserscheinungen, Neider, Gewalt) des Drogenkonsums abgearbeitet hat, beginnt er seine Geschichte quasi von vorn, ohne seinem Protagonisten einen Lernprozess zuzugestehen: Eddie nimmt wieder NZT, macht Karriere, diniert mit seiner Traumfrau, ist ein Politiker-Star, … Hier wurde schlicht die Chance vertan, dem Zuschauer (und Eddie) einen „Was-würdest-du-tun?“-Moment zu schenken und das Gesehene zu reflektieren.

Aber vielleicht steckt ja doch System in diesem Schluss? Immerhin fragt man sich zu Recht, wie viele Karrieren in Politik, Wirtschaft, Sport und Kunst tatsächlich nur dank Tricks, Mittelchen und rigorosem Egoismus entstanden sind. Ein Film mit Botschaft also? Möglicherweise. Wie gesagt, so richtig böse sein kann man »Ohne Limit« nicht.
Csaba Lázár